
(englische Version) |
 |
|
|
|
Die Entstehung der
M.G. Z Magnette
|
|
Im Jahre 1949 kehrt Gerald Palmer, bereits von
1937 bis 1942 bei M.G. beschäftigt, als Chefdesigner zur Nuffield Group zurück, von der
M.G. mittlerweile aufgekauft wurde. Bei seinem Gastspiel bei der kleinen Firma Jowett,
hatte Palmer unter anderem den Jowett Javelin entworfen,
von dem sich über 30.000 Stück verkaufen ließen.
Bei Nuffield soll er neue Modelle für M.G., Riley und Wolseley entwerfen. Das aktuelle
M.G. Modell, der Y-Type sollte schon 1940 erscheinen, kam aber wegen des Krieges erst 1946
auf den Markt und war daher bei Erscheinen schon veraltet.
Als Nachfolger entwirft Palmer die Z-Magnette bzw. den Wolseley 4/44, die am unteren Ende
der Mittelklasse für Ersatz sorgen sollen. Für die Riley Reihe entsteht der Pathfinder,
der eine Nummer größer ist.
Bei seinem Entwurf ist Palmer von den großen italienischen Designern beeinflußt, was die
Ähnlichkeit zum Lancia Aurelia (Front) und anderen Fiat und Alfa Romeo Modellen
erklärt. Obwohl der
M.G. als erstes entworfen wurde, erscheint 1952 zunächst sein Bruder, der Wolseley 4/44,
weil ein neues Wolseley Modell dringender gebraucht wird. Angetrieben wird er vom
XPAG-Agggregat, das aber weniger leistet als in den T-Modellen und deshalb keine
berauschenden Fahrleistungen für die über eine Tonne schwere Limosine zuläßt.
Im Oktober 1953 stehen dann auf der London Motor Show eine grüne ZA Magnette mit beiger
Innenaustattung und eine Grau/Graue, die beide erst kurz vor Ausstellungsbeginn
fertiggestellt wurden. Wegen Produktionsproblemen entsprachen die gefertigten Autos nicht
in allen Punkten der Werbung:
Die ausgestellten M.G.s besitzen noch keine Dreiecksfenster und auch das angekündigte
Holzarmaturenbrett konnte wegen Materialknappheit nicht gebaut werden. Dies änderte sich
erst, als im März 1955 nach knapp 6000 gebauten Einheiten italienisches Walnußfurnier
verfügbar war. Dafür werden die Autos durch serienmäßige Nebelscheinwerfer und
Stoßstangenhörner aufgewertet. Vermutlich wollte man damit allen Schwierigkeiten aus dem
Weg gehen. Auch die sonstige Ausstattung kann sich sehen lassen. Serienmäßig wird eine
Heizung angeboten, was auch bei teureren Modellen noch nicht Standard ist. Außerdem
dürfen die Passagiere auf Ledersitzen Platz nehmen.
Angetrieben wird die Magnette von dem neuen B-Serien Motor, der mit einem SU H2
Doppelvergaser immerhin 60 bhp bei 4600 U/Min leistet. Dem Motor fehlt allerdings noch das
außenliegende Ölrohr vom Ölfilter zurück in den Motorblock, wie es später bis zum MGB
gebaut wurde. Dies hatte zur Folge, daß beim Starten die Lager zu lange ohne Öl
arbeiteten und die Lebensdauer oft nur 10.000 Meilen erreichte. Doch das Problem wurde bei
M.G. schnell erkannt und so mußten mit diesem Manko nur 1460 Magnette Besitzer leben, bis
das bekannte Ölrohr eingebaut wurde.
Die ZA Magnette kostete mit £ 915 weniger als der Y-Type ( £ 989). Trotzdem war der
M.G. für europäische Verhältnisse zu teuer. So kostet die ZA in der Schweiz 12.800 sfr,
der Wolseley 11.300 sfr und ein Opel Rekord 7.300 sfr.(1956 kostete die
Magnette 8.995,- DM zuzügl. 40,- DM Spesen). Es ist anzunehemen, daß die Leute,
die 1954 über das nötige Kleingeld verfügten, sich nicht ausgerechnet eine Magnette
zugelegt haben.
Wurde der neue Wolseley 1952 noch gelobt, geht bei
der M.G.-Vorstellung ein Aufschrei durch die Fangemeinde. Die Wiederverwendung des
ruhmreichen Namens Magnette an einer Familienkutsche mit Wolseley Karrosserie, Austin
Motor und Kühlerattrappe entspricht nicht dem, was man bisher von M.G. gewohnt war.
Dabei ist der M.G. keine Kopie des Wolseley. Um die Sportlichkeit des M.G. gegenüber dem
luxuriösen Wolseley hervorzuheben, wurde die Karrosserie zwei Inch niedriger gelegt, was
nicht nur sportlicher aussieht, sondern auch ein besseres Handling verspricht. Dies hat
aber zur Folge, daß der Wolseley und der M.G. sich nur noch wenige Bleche teilten. Außer
dem Dach, den Fronttüren und der Kofferraumklappe sind die Bleche unterschiedlich! Da die
Magnette tiefer liegt sind die Bodengruppe, Schweller, Vorder und Heckkotflügel
verschieden. Außerdem tragen beide Autos ihren traditionellen Kühlergrill. Deshalb sind
noch nicht einmal die Motorhauben untereinander austauschbar. Dennoch leitete die Magnette
eine neue Ära in Abingdon ein. Sie ist der erste M.G., der über eine selbsttragende
Karrossie verfügt. Dies bringt natürlich Probleme mit sich, hat man doch bisher in
Abingdon immer M.G.s mit Rahmen montiert, wie es zeitgleich noch beim TF und ab 1955 auch
noch beim MGA geschieht.
So ist es nicht verwunderlich, daß die Bauzeit für eine Magnette noch 4 Wochen beträgt.
Nach 140 Fahrzeugen verkürzt sich die Laufzeit bis auf eine Woche, was auch Standard
wird.
Die Produktion beginnt im Februar 1954 nachdem die Hinterachse noch auf Anweisung von John
Thornley geändert wurde. Die Karrosserie wird fertig lackiert von Pressed Steel in
Swindon geliefert, die Antriebseinheit kommt aus Coventry.
Bis Juli 1956 werden nur Kleinigkeiten geändert, dann erhält der Motor
eine Leistungskur. Durch die Anhebung der Kompression von 7.15:1 auf 8.3:1 , größere H4
Doppelvergaser und geänderte Ein- und Auslaßkrümmer wird die Leistung auf 68 bhp
angehoben.
Im September 1957 erscheint dann die
ZB Magnette, die sich nur durch leicht geänderten
Chromschmuck vom Vorgänger unterscheidet. Für £ 25 Aufpreis kann sich der Interessent
jetzt auch für das Varitone Modell entscheiden. Dieses bietet ein größeres Heckfenster
und eine Zweifarbenlackierung. Allerdings gibt es auch einfarbige Varitones. Für den
Aufpreis von £ 50 kann der Kunde sich auch noch eine automatische Kupplung einbauen
lassen. Die ersten Wagen leiden allerdings daran, daß die Kupplung nicht richtig arbeitet
und werden 1958 zurückgerufen, um sie zu modifizieren. Die 'Manumatic clutch' war aber
nie populär und wurde ab Oktober 1958 nicht mehr gebaut. Wer sich dennoch dafür
entschieden hatte und erst später merkte, daß er seine £ 50 falsch investiert hatte,
konnte sich bei seinem M.G. Händler für den Preis von £ 75 sein Auto auf normalen
Kupplungsbetriebzurückrüsten lassen.
An sportliche Erfolge konnte M.G. mit der Z-Magnette nie anknüpfen. Da half auch der Name
nichts.Die Magnette war zu schwer und hatte zu wenig Leistung. Gedanken an 6 Zylinder oder
den gerade entwickelten Twin Cam wurden schnell wieder fallengelassen.
Trotzdem nahmen 1955 drei Magnettes unter dem Namen 'The Three Musketeers' an der Rally
Monte Carlo teil.
Allerdings ohne erwähnenswerten Erfolg. Einzig die Plätze 1 und 3 beim Silversone
Production Car Race sorgten für die gewünschte Aufmerksamkeit im gleichen Jahr. Ein Jahr
später belegte Nancy Mitchell bei der Rally Monte Carlo den 3. Rang in der Damenwertung.
Den Ladies European Rally Championship gewann sie aber nur, weil sie die restliche Saison
auf MGA bestritt. Pat Moss blieb auf der Magnette ohne Erfolg.
1957 verschwand die Magnette aus den Werksteams. Lediglich als Begleitfahrzeug oder für
Kamerateams wurde sie noch von BMC eingesetzt. Bei Privatfahrern blieb sie aber auch die
folgenden Jahre beliebt.
Die größten sportlichen Erfolge verbuchte die Magnette in den sechziger und siebziger
Jahren bei Stock Car Rennen. Aufgrund der enormen Stabilität war sie dafür besonders
geeignet. Auf diese Art und Weise ist ein Großteil der gebauten Magnettes den Weg alles
Irdischen gegangen.
Schätzungen des Z-Registers im M.G. Car Club gehen von weltweit maximal 1.000 noch
existierenden Fahrzeugen aus.
Das Ende für die ZMagnette kommt nach 36.601 gebauten Exemplaren im Dezember 1958.Diese
Stückzahlen wurden bis dahin von keinem anderen M.G. erreicht!
Die Ablösung kommt Mitte 1959 als Mk III Magnette,die aber nur noch den Namen gemeinsam
hat. Aber das ist eine andere Geschichte...
G.G.HOME
|
|